Rußland und Finnland 1998
Der Jugendchor auf dem Roten Platz in Moskau
Nachdem der Chor 1996 evangelische Gemeinden an der Ostküste der USA besucht hatte, ging diesmal die Reise nach Osten und Nordosten. Vom 28.7.-12.8.1998 bereiste die 41 Personen zählende Gruppe Moskau, St. Petersburg und mehrere Orte in Finnland.
Aus Rußland lagen dem Jugendchor mehrere Einladungen von Kinder- und Jugendchören vor, die zuvor in Einbeck zu Gast gewesen waren.

Ein wesentlicher Programmpunkt war neben den üblichen "Muss"-Besichtigungspunkten ein Besuch im Sergius-Troize-Kloster in Sergiev Posad (früher Sagorsk), dem religiösen und geistigen Zentrum der russisch-orthodoxen Kirche. Hier und an anderen Orten wohnten die Jugendlichen auch Gottesdiensten bei und vermerkten besonders, daß die Gottesdienstbesucher stehen; ein Kirchengestühl nach unserer gewohnten Art gibt es nicht.

Besonders erwähnt werden soll hier ein Auftritt in St. Petersburg. Vor einem Jahr wurde die evangelisch - lutherische St. Petri-Kirche am Newskij-Prospekt wieder eingeweiht, die EZ berichtete darüber (Nr.39/1997 vom 28.9.97). Diese Kirche hat eine für Rußland durchaus typische Geschichte hinter sich: 1730 als lutherische Kirche gebaut, wurde sie während der Stalin-Ära enteignet und zum Schwimmbad umgebaut. 1993 wurde sie zurückgegeben und wieder in eine Kirche zurück verwandelt; dabei entstand auch ein deutsch-russisches Begegnungszentrum. Der Jugendchor St. Nicolai gab dort ein abendliches Konzert, bei dem die Messe breve von Charles Gounod im Mittelpunkt des Vortrages stand. Dem Chor gefiel die Schlichtheit und die gute Akustik des Kirchenraumes. In der Pause zwischen dem geistlichen und weltlichen Teil des Konzertes wurde ein Grußwort des Auslandsbischofs der EKG, Dr. Rolf Koppe, verlesen und dem Verwaltungsleiter der Bischofskanzlei, Dr. Siegfried Plath, überreicht.

Von St. Petersburg fuhr der Chor mit der Eisenbahn durch Karelien nach Helsinki und von dort mit dem Bus weiter 400 km nordwärts nach Seinäjoki und Lapua, wo die Mitglieder bei Gastgeberfamilien untergebracht waren, was in Rußland aufgrund der beengten Wohnverhältnisse nicht möglich gewesen war.

Bekanntlich ist die finnische Bevölkerung zu mehr als 80% evangelisch-lutherisch. So ergab es sich von selbst, in Peräseinäjoki einen Gottesdienst musikalisch zu gestalten und bei einer Totenehrung mitzuwirken. Die rund 100 Jahre alte Holzkirche hatte "heimatliches Gepräge". Bei einem anschließenden Heimatfest wurden deutsche Volkslieder mit großem Beifall aufgenommen.

Den musikalischen Höhepunkt fand die Reise in einem Konzert, das der Jugendchor in der Kathedrale von Lapua gab, einer der schönsten Holzkirchen Finnlands, ausgestattet mit der größten Orgel des Landes.

Bei diesem Abschlußkonzert, das vom Jugendchor der 14000 Seelen zählenden Gemeinde mitgestaltet wurde, führte die Chorleiterin Karin Salzer den Einbecker Chor zu einer außerordentlich konzentrierten und von allen Seiten anerkannten Leistung, die nicht zuletzt durch das einfühlsame Orgel- und Klavierspiel von Inge Wenzel und die Solopartien von Inka Rotzoll, Daniela Forkmann und Stefan Lovasz abgerundet wurde.

So konnten die Mitglieder des Jugendchores St. Nicolai anläßlich dieses Konzertes ein weiteres Mal verspüren, was den gesamten Reiseverlauf als Motto prägte: "Musik überwindet Grenzen" - ein über Sprachbarrieren und unterschiedliche Lebensgewohnheiten hinaus wirkendes ermutigendes Leitmotiv, das auch der demnächst erscheinenden ersten CD des Chores den Titel gab.

Leicht erschöpft von den Reiseanstrengungen, aber voller bleibender Eindrücke kehrte der Jugendchor St. Nicolai nach Einbeck zurück, dankbar auch darüber, daß das Familienministerium über den Deutschen Musikrat einen Teil der Reisekosten für die Jugendlichen übernommen hatte.