USA-Reise 2002 -- Teil 2
Wir waren in World Disney World!
Montagmorgen war wieder frühes Aufstehen angesagt: Um 7.30 h sollte der Bus zu einer Stadtrundfahrt in Washington D.C. starten, der Bus war wieder etwas verspätet, doch um 9.15 h begrüßte eine deutschsprachige Reiseführerin den Chor am Weißen Haus und führte bis zum Mittag die größten Sehenswürdigkeiten der Stadt (Weißes Haus, Jefferson und Lincoln, Korean und Vietnam Memorial, deutsche Botschaft, Kongress etc.) vor. Die Tour endete am Union Station, wo jeder für 10 $ "lunchen" konnte, Hamburger waren bei den Jüngeren immer erste Wahl.


Dann hieß es, von Washington und dem Bundesstaat Maryland Abschied zu nehmen. Eine interessante, aber auch lange weite Reisewoche war angebrochen: Trappe/PA, Richmond/VA, Centreville/VA und noch einmal die Stadt Washington standen auf dem Reiseplan.

Gegen Abend wurde die Gruppe von Pastor Herbert Michel und Gemeindegliedern der Augustus Lutheran Church in Trappe (Pennsylvania) begeistert begrüßt, denn auch hier hatte man schon vor sechs Jahren Station gemacht. Die Gemeinde hat ein besonderes Verhältnis zu Einbeck, ihre erste Kirche von 1746 und somit älteste lutherische Kirche in Nordamerika wurde von Pastor Mühlenberg (aus Einbeck) gegründet. Es gab Dinner bei den Gasteltern; am nächsten Morgen wurden die "Amish" besucht, eine Religionsgemeinschaft, die im 18.Jahrhundert aus der Pfalz in die USA ausgewandert ist und seitdem am gleichen Lebensstil festhält, d.h. Landwirtschaft und Handwerk ohne Elektrizität und nicht motorisiert betreibt. Auf der Rückfahrt stoppte der Bus bei einer Bretzelbäckerei, die Amerikaner sagen "pretzel"; jeder, der selbst eine Bretzel geformt hatte, bekam ein "Diplom". Abends war das 2.Konzert, wieder in einer vollen Kirche und mit viel herzlichem Beifall. Die Einbecker luden zu einem Gegenbesuch ein, und man versprach, einen Besuch des "Bell Choirs" (den man hier noch nicht kennt) in Deutschland für die kommenden Jahre vorzubereiten.

Mittwoch stand eine lange Busfahrt von etwa 340 Meilen (550 km) nach Richmond (Virginia) bevor. Mit mehreren Pausen unterwegs war der Bus pünktlich an der St.Bridget's Catholic Church. Zur Begrüßung gab es ein gemeinsames Dinner von Gastgebern und Gästen im Esssaal des Schul- und Gemeindekomplexes, das der Kirchenmusiker der Gemeinde (Minister of Music and Liturgy) Gary Beckmann organisiert hatte. Jeder Gastgeber hatte etwas dafür mitgebracht, das war eine nette Art des gemeinsamen Kennenlernens. Am nächsten Morgen wurden die älteren Teile Richmonds besucht (immerhin mit mehr als 200 Jahren eine der ältesten Städte der USA, auch Hauptstadt der Südstaaten im Sezessionskrieg).

Auftritt in Richmond
Abends war das 3. Konzert des Jugendchores, es sollte der Höhepunkt der ganzen Konzertreise werden. Natürlich war die Kirche voll (etwa 400 Personen), der Beifall und die Begeisterung des Auditoriums war so groß, dass sie die Aufführenden zu ihrer besten Leistung anspornte. Der Quiz erntete ebenso großen Beifall wie die geistlichen Stücke und der gesungene Ein- und Ausmarsch des Chores. Die Gastgeber dankten mit Standing Ovations, einer fürstlichen Kollekte und kauften viele der CDs "Lichterzeit". Der Chor revanchierte sich wie jedes Mal mit dem Bildband über Einbeck. Auch für die Gemeinde St.Bridget's war es das Ereignis des Jahres, wie uns hinterher berichtet wurde. Der Chor soll unbedingt in einigen Jahren wieder kommen, auch andere Gemeinden wollen einladen. Die Einladung aus Richmond war durch persönliche Kontakte zustande gekommen, der "Vermittler" Joe Borzelleca wurde von allen Seiten für seine gute Wahl beglückwünscht, auch für ihn sei der Besuch ein Glücksfall gewesen, bestätigte er.

Wieder hieß es von den Gastgebern Abschied nehmen. Obwohl die Besuche für die Chormitglieder anstrengend waren und viel Kraft erforderten (Sommerlich hohe Temperaturen, vier verschiedene Gastfamilien, Konversation nur auf englisch – Politik wurde wohlweislich ausgeklammert, allerdings sagten uns einige, dass sie mit der Regierungspolitik im Weißen Haus nicht konform gingen), waren doch alle sehr davon angetan, auf diese Weise zu erfahren, wie die Amerikaner wohnen und leben, nicht nur die Älteren im Chor, auch die Jüngsten hatten zuhause viel, viel zu erzählen: z.B. dass sie einen Teddy oder ein Nachthemd mit einem 20 $-Schein in der Tasche im Bett vorfanden, dass zu jedem Schlafzimmer ein eigenes Badezimmer und eingebaute Schränke gehören, oft Swimmingpools im Garten waren und vieles mehr.

Die letzte Station in dieser Woche war Centreville (Virginia), nicht weit vom Airport Washington Dulles. Es war wieder eine United Methodist Church - Gemeinde mit einer ganz neuen Kirche und Gemeindehaus. Das Konzert war nicht so gut besucht, aber die Gastgeber ebenso herzlich wie in den anderen Orten. Am Samstag besuchte der Chor noch einmal die amerikanische Hauptstadt, stieg aufs "Washington Monument" und inspizierte verschiedene Museen, vor allem das "Air and Space Museum" lockte viel an. Ein letzter kirchlicher Auftritt war am Nachmittag in der "Basilica of the National Shrine", der größten katholischen Kirche Nordamerikas. Leider war die Organisation wegen eines kurzfristig angesetzten Gottesdienstes für die verunglückten Feuerwehrleute des 11. Septembers etwas chaotisch, so dass der Chor nur vor der Messe und nicht während der Messe singen konnte, dafür aber 35 Min. lang.

Damit war der erste Teil der Reise vergangen, am Sonntagmorgen um 8.40 h startete der Flug UA 236 pünktlich von Wash./Dulles nach Orlando (Florida), was wieder ein sehr frühes Aufstehen bedeutet hatte, denn der Bus fuhr um 6.15 h aus Centreville. Das Flugzeug landete bei tropischen Temperaturen von über 30°C. Viele der Teilnehmer sahen zum erstenmal Palmen. Ein Bus fuhr die Gruppe zum Hotel. Kaum waren die Zimmer verteilt, tummelten sich alle im Swimmingpool. Statt Lunch gab es eine "Eiscreme-Party" und zum Dinner eine "Pizza-Party" am Pool.

Das Hotel Ramada Gateway lag nur etwa sechs Meilen von Disney World entfernt. Daher hatten wir zwei größere Vans gemietet, mit denen die Gruppe immer hin- und her kutschiert wurde. Lothar Gauß und Uwe-J. Salzer fungierten als unermüdliche Fahrer, die Gruppe belohnte sie dafür mit einem Florida-T-Shirt und Mütze. So war man beweglich und unabhängig und konnte auch abends noch einmal zum Feuerwerk oder zur "Electrical Light Parade" zurückkehren. Alle waren am Montagmorgen recht neugierig auf das "Magic Kingdom" und wurden nicht enttäuscht. Selbst die Erwachsenen hatten an den verschiedenen Attraktionen viel Spaß. Leider verlor Elisa dort ihr Portemonnaie. Am Dienstag war es das Epcot Center mit seinen unterhaltsamen Lehrvorführungen über "World of Energy", "World of Imagination", "Seaworld" etc. und den diversen "Länder-Pavillons", Deutschland vertreten mit einer Nachbildung der Nürnberger Altstadt. Mittwoch stand dann das "Animal Kingdom" und das "MGM-Studio" auf dem Programm. Und immer herrschte eine tropische Temperatur, gut, dass man sich in klimatisierten Räumen öfter wieder abkühlen konnte!

Doch geschah noch mehr. An einem Morgen mussten die aktiven Chorsänger wieder einmal früh aufstehen, um in Chorkleidung einen Fototermin im Magic Kingdom vor dem Cinderella-Schloss wahrzunehmen, natürlich vor Öffnung des Parks, damit keine störenden Leute umherliefen. Der Busfahrer wusste wohin, wir waren auch schon fast zur verabredeten Zeit am verabredeten Treffpunkt mit dem Fotografen, da hielt uns der Sicherheitsdienst von Disney World auf. Der Security officer führte endlose Telefonate, befragte immer wieder seinen Bildschirm, aber Youth Choir St.Nicolai und Karin Salzer waren nirgends zu finden. So saßen wir gähnend im Bus, während die Disney-Angestellten an uns vorbeitrudelten.

Nach endloser Wartezeit kam atemlos in Mann mit umgehängter Kamera zum Security Gate gelaufen – es war der Fotograf! Er konnte sich ausweisen und uns vorbeilotsen. So wurde doch noch etwas aus dem (vorausbezahlten) Foto, auch wenn die Turmspitze des Schlosses noch im Nebel war... Dafür wurde der Chor mit einem grandiosen Auftritt in Disney Downtown belohnt. Er war generalstabsmäßig vorbereitet worden, zwei verschiedene Leute hatten für letzte Vorbereitungen 20 Min. von Orlando aus mit der Chorleiterin in Einbeck telefonisch konferiert – zusätzlich zu den vorher ausfüllten Vordrucken der "Disney Magic Music Days".

Es war dann einfach überwältigend: Durch Plakate und per Lautsprecher war der Auftritt des "Youth Choir St.Nicolai Einbeck / Germany" für 19.15 h angekündigt worden. Chorpodest, Klavier und Mikrophone und Tontechniker standen bereit, und als der Chor Aufstellung genommen hatte, flammten Scheinwerfer auf. Der Chor sang und Ellen Wolpert spielte "himmlisch" unter freiem Sternenhimmel, wie uns etliche Zuhörer hinterher bestätigten. Die deutschen Lieder wurden von den jüngeren Chorsängerinnen Annika, Elisa, Imke, Katja, Lorena und Sophia kurz auf englisch erklärt – und es war ein schönes Gefühl, vor dieser Kulisse zu singen. Die Größe der Zuhörerschaft konnte man allerdings nur am Beifall abschätzen, anderes ließen die Scheinwerfer nicht zu. Aber der Disney-Betreuer war sehr beeindruckt, schenkte jedem ein T-Shirt und lud uns ein: "Come again whenever you want!"
Durch diese Reise haben viele hundert Amerikaner zum erstenmal von der Stadt Einbeck gehört. Sie wird ihnen gut in Erinnerung bleiben und vielleicht zu einem gelegentlichen Besuch ermuntern.

Die Rückkehr nach Deutschland war eisig – was kann man anderes sagen, wenn man das Flugzeug bei 32°C Außentemperatur in Orlando betritt und bei 6°C in Frankfurt verlässt? Aber die Erinnerung an diese schöne Reise wärmte jeden inwendig auf, auch warteten ja Mami oder Papi schon am Busbahnhof in Einbeck. Das ließ die Rückkehr nach Hause und die Kälte daheim etwas besser ertragen.